Die Frauen sind mit den Männern auf Erden gleichberechtigt. Für die Religion und die Gemeinschaft stellen sie einen sehr wichtigen Bestandteil dar. Solange den Frauen die höchsten Möglichkeiten verschlossen bleiben, werden die Männer außerstande sein, die Größe zu erlangen, zu der sie fähig wären.1
Bevor Mann und Frau nicht die Gleichberechtigung anerkennen und verwirklichen, ist gesellschaftlicher und politischer Fortschritt weder hier noch irgendwo sonst möglich. Denn die Menschenwelt besteht aus zwei Teilen oder Gliedern: das eine ist die Frau, das andere der Mann. Solange diese beiden Glieder an Stärke nicht gleich sind, kann die Einheit der Menschheit nicht begründet werden, und Glück und Wohl der Menschheit werden nicht Wirklichkeit.2
In dieser Offenbarung Bahá`u`lláhs schreitet die Frau Seite an Seite mit dem Mann. Bei keinem Schritt wird sie zurückbleiben. Sie hat die gleichen Rechte wie der Mann. Sie wird Zugang gewinnen zu allen administrativen Bereichen der Politik. Sie wird einen Rang erreichen, der in der Menschenwelt als die höchste Stufe gilt, und sie wird sich an allen Angelegenheiten beteiligen.3
In der Vergangenheit wurde die Welt durch Gewalt regiert, .... Aber schon neigt sich die Waage, Gewalt verliert ihr Gewicht und geistige Regsamkeit, Intuition und die geistigen Eigenschaften der Liebe und des Dienens, in welchen die Frau stark ist, gewinnen an Einfluß. Folglich wird das neue Zeitalter weniger männlich und mehr von den weiblichen Leitbildern durchdrungen sein, oder genauer gesagt, es wird ein Zeitalter sein, in dem die männlichen und weiblichen Elemente der Kultur besser ausgeglichen sein werden.4
Das Glück der Menschen wird Wirklichkeit, wenn Mann und Frau zusammenwirken und gemeinsam voranschreiten, denn jeder ist Ergänzung und Helfer des anderen.5
Die Menschheit besitzt zwei Flügel, den männlichen und den weiblichen. Solange diese zwei Flügel nicht gleich stark sind, wird der Vogel nicht fliegen. Solange die Frau nicht den gleichen Rang einnimmt wie der Mann, solange sie nicht Zugang zu denselben Tätigkeitsbereichen genießt, gehen der Menschheit außerordentliche Fähigkeiten verloren; die Menschheit kann ihren Flug nicht zum Gipfel wahrer Errungenschaften nehmen.6
Solange nicht wirkliche Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erreicht und fest begründet ist, kann sich die menschliche Gesellschaft nicht zur Reife entwickeln. Das einzige Heilmittel ist Erziehung und Chancengleichheit, denn Gleichberechtigung bedeutet gleiche Qualifikation.... Um es noch einmal bewußt zu machen: Bevor Frau und Mann nicht die Gleichberechtigung anerkennen und verwirklichen, ist gesellschaftlicher und politischer Fortschritt nirgendwo möglich.7
Bahá'u'lláh hat als Grundsatz der Religion offenbart, daß der Frau das Recht gleicher Erziehung und alle Vorrechte des Mannes gewährt werden müssen. Das bedeutet, daß es bei der Erziehung von Mann und Frau keinen Unterschied geben darf, damit die Frau in Gesellschaft und Wirtschaft gleiche Fähigkeiten und Bedeutung wie der Mann erlangen. Dann wird die Welt zu Einheit und Eintracht finden.8
Indem er (Bahá'u'lláh) die Einheit der Menschheit verkündete, lehrte er, daß Männer und Frauen im Angesicht Gottes gleichwertig sind und kein Unterschied zwischen ihnen gemacht werden darf. Der Unterschied, der zur Zeit zwischen ihnen besteht, beruht einzig auf mangelnder Erziehung und Bildung. Wenn man der Frau gleiche Bildungschancen gewährt, werden Unterschiede und die Vorstellung von der Minderwertigkeit der Frau verschwinden.9
Literaturangaben
- 'Abdu'l-Bahá: Ansprachen in Paris. Hofheim-Langenhain: Bahá'í-Verlag GmbH, S. 105.
- 'Abdu'l-Bahá: Briefe und Botschaften. Kap. 227:18. Hofheim-Langenhain: Bahá'í-Verlag GmbH.
- 'Abdu'l-Bahá: Ansprachen in Paris. Hofheim-Langenhain: Bahá'í-Verlag GmbH, S.129.
- Esslemont, John E.: Bahá'u'lláh und das neue Zeitalter. Hofheim-Langenhain: Bahá'í-Verlag GmbH, S. 173
- 'Abdu'l-Bahá: The Promulgation of Universal Peace. Wilmette (Michigan)/USA: Bahá'í Publishing Trust, S. 182.
- 'Abdu'l-Bahá: a. a. O. S. 375.
- 'Abdu'l-Bahá: a. a. O. S. 76 f..
- 'Abdu'l-Bahá: a. a. O. S. 108.
- 'Abdu'l-Bahá: a. a. O. S. 174 ff..

